Förderkonzept zur Integrationshilfe an der Hellingskampschule
Stand September 2007
Vorbemerkungen
Seit 1975 werden an der Hellingskampschule Schülerinnen und Schüler unterrichtet, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Im Einzugsbereich der Schule liegen ein Übergangsheim für Aussiedler sowie eine Unterkunft für Asylbewerber für kinderreiche Familien. Über einen langen Zeitraum wurden diese Schüler in Förderklassen unterrichtet, pro Jahrgang eine Klasse und zusätzlich eine Auffangklasse. Für diese Form der Integration bestand ein festgelegtes Förderkonzept. In den letzten Jahren hat sich der Zuzug von Aussiedlern stetig verändert. Die Zahlen unterliegen großen Schwankungen und sind nicht planbar. Übergangsheime wurden geschlossen bzw. umgewidmet. Daraus ergeben sich stetig wechselnde Zusammensetzungen der Klassen mit unterschiedlichen stark differierenden soziokulturellen Hintergründen.
Die Erfahrung der letzten beiden Jahre hat gezeigt, dass die Zahl der Seiteneinsteiger weiterhin deutlich zurückgeht. Daher war eine Modifizierung des Förderkonzeptes notwendig.
Zum jetzigen Zeitpunkt scheint die Einrichtung von Förder- und Auffangklassen eher unwahrscheinlich. Seiteneinsteiger nehmen sofort am Unterricht der Regelklassen teil, auch wenn sie nur über geringe bzw. gar keine Deutschkenntnisse verfügen.
Das neue Förderkonzept der Hellingskampschule wird gebildet aus 4 Säulen:
1. Sprachförderung für Seiteneinsteiger
2. Diagnosekonzept für Schulanfänger
3. Intensive Förderung in der Schuleingangsphase
4. Sportförderunterricht
Zu 1.
Ziel
Ziel sämtlicher Integrationsmaßnahmen ist es, die Schülerinnen und Schüler so schnell wie möglich zu befähigen, am Unterricht der Regelklasse teilnehmen zu können. Um sich verständigen zu können, benötigen sie Deutsch als Kommunikationssprache.
Arbeitsschwerpunkte
•Kennenlernen der lateinischen Schriftzeichen, Üben der Laute, Lesen und Schreiben
•Sich zurechtfinden in der neuen Umwelt, Lernen der Begriffe aus verschiedenen Bereichen wie Schule, Zuhause, Verkehr, Essen, Familie, der eigene Körper
•Verstehen und Ausführen von immer wiederkehrenden Arbeitsanweisungen, z.B. „Ich packe das Heft in die Tasche“
•Sprechen, und später auch Schreiben, von einfachen Sätzen wie beispielsweise: „Das ist ein Buch“, oder „Ich schreibe mit dem Bleistift“
Diese vier Lernfelder können nicht isoliert betrachtet werden, sondern sind eng miteinander verzahnt. Aus diesem Grund werden sie individuell ausgerichtet auf die jeweilige Lernausgangslage für jedes Kind zusammengestellt. Daher gibt es an der Hellingskampschule kein verbindliches Lehrwerk, nach dem vorgegangen wird, vielmehr wird auf bekannte Materialien, die sich bewährt haben, z.B. Klaro-Material vom Spectra Verlag, zurückgegriffen. In vielen Fällen handelt es sich um selbst erstellte Materialien.
Zu 2.
Zu Beginn der Schuleingangsphase werden verschiedene Diagnoseinstrumente eingesetzt. Mit allen Kindern wird die Phonologische Bewsstheit mit Hilfe des Gruppentests zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwäche, Karlheinz Barth, Berthold Gomm, überprüft. Bei Kindern mit geringen Deutschkenntnissen und mit bereits beobachteten Auffälligkeiten wird zusätzlich die schriftsprachliche Vorläuferfähigkeit mittels des ARS-Test (Anlaute/Reime/Silben), S. Martschinke, untersucht. Die arithmetischen Vorkenntnisse, die Figurgrundwahrnehmung, die Raum-Lage-Beziehung und Formerfassung werden durch ein selbstentwickeltes Überprüfungsverfahren festgestellt.
In den 2. Klassen werden zu Beginn des neuen Schuljahres grundlegende Rechtschreibstrategien mit Hilfe der Hamburger Schreibprobe erfasst. Außerdem wird der Stolperwörter-Lesetest, Wilfried Metze, durchgeführt.
Vorgesehen ist eine begleitende Diagnostik, um ad hoc auf auftretende Schwierigkeiten, mit gezielten, individuellen Fördermaßnahmen reagieren zu können. Dieses befindet sich zum jetzigen Zeitpunkt im Aufbau.
Zu 3.
Ausgehend von den Erkenntnissen, die durch das Diagnoseverfahren gewonnen wurden, ergeben sich folgende Arbeitsschwerpunkte:
•Stärkung der phonologischen Bewusstheit
•Übungen im pränumerischen Bereich
•Konzentrationstraining
•Wahrnehmungstraining
•Wortschatzübungen/Aufgabenverständnis
•Förderung der Lesefähigkeit mit Hilfe des Kieler Leseaufbaus
•Gezielte Fördermaßnahmen zur Verbesserung der Rechtschreibleistungen
Die verstärkte Förderung in der Schuleingangsphase soll dazu beitragen, Schwierigkeiten in Mathematik und in Deutsch in den Klassenstufen 3 und 4 deutlich zu verringern.
Zusätzliche zeitintensive Förderung benötigen aber auch die ausländischen Kinder, die zwar in Deutschland geboren sind, deren Sprachkompetenz aber nicht den Grundanforderungen genügt. In der Regel lernen diese Kinder erst mit dem Eintritt in den Kindergarten Deutsch. Ihre Muttersprache bleibt weiterhin die Hauptkommunikationssprache im häuslichen Umfeld. Selbst wenn diese Kinder an einem vorschulischen Sprachkurs teilgenommen haben, reicht dieses nicht aus, um im sprachlichen Bereich die gleichen Leistungen wie ein vergleichbares deutsches Kind zu erzielen.
Diese Gruppe macht etwa 50 % der gesamten Schülerschaft aus.
Diese Schülerinnen und Schüler benötigen mehr Zeit zum Lernen. Oft sind Begriffe, die für jedes deutsche Kind selbstverständlich sind, nicht bekannt und müssen erst erklärt werden. Mündliche Arbeitsanweisungen werden häufig nicht in Handlungen umgesetzt, sondern es bedarf zusätzlicher Erklärungen. Einfache schriftliche Arbeitsaufträge werden nicht verstanden. Hier muss die Lehrerin, der Lehrer helfend eingreifen. Dieses nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, so dass in der gleichen vorgegebenen Zeit Schülerinnen und Schüler der Hellingskampschule weniger Themenbereiche behandelt haben als Schüler anderer Schulen mit einer anderen Zusammensetzung der Schülerschaft. Wöchentlich zwei zusätzliche Deutschstunden, durchaus im Klassenverband, wären sehr hilfreich.
Zu 4.
Sportförderunterricht unterstützt und fördert motorische und psycho-sozial auffällige Kinder in ihrer Entwicklung durch ausgewählte Angebote in der Bewegungserziehung. Bewegungserfahrungen in der Umwelt sind eine Voraussetzung für die Handlungskompetenz eines Kindes. Eine ganzheitliche Förderung im Sinne des Sportförderunterrichts verfolgt das Ziel, die Kinder in ihrer Persönlichkeit zu unterstützen und zu stabilisieren. Gleichzeitig werden motorische, soziale, emotionale und kognitive Ziele verwirklicht. Im Zusammenhang mit der ganzheitlichen Entwicklungsförderung steht die Einbringung der bei den Kindern erreichten Kompetenzen in den Unterrichtsalltag, sodass die Leistungsbereitschaft der Kinder steigt und Lernerfolge gesichert werden können.
Organisationsform
Nur mit Maßnahmen der inneren Differenzierung mittels individueller Wochenpläne ist eine Integration nicht möglich. Daher werden Fördermaßnahmen auch in den Randstunden durchgeführt. Allerdings ist dieses für die jungen Schülerinnen und Schüler sehr belastend, da die Konzentrationsfähigkeit in der 5. u. 6. Stunde erheblich abnimmt. Einen größeren Erfolg erzielt man mit Teamteaching in der 3. und 4. Stunde.
Ferner werden Kurse zu bestimmten Themen, wie z.B. Feinmotorik/Druckschrift, Phonologie, Wahrnehmung, Leseförderung nach dem Kieler Leseaufbau usw. klassenübergreifend für maximal 6 Kinder angeboten.
Einen weiteren Schwerpunkt stellt die Hausaufgabenhilfe montags bis donnerstags in der Zeit von 13:15 bis 15:00 Uhr dar. Es handelt sich hierbei nicht um eine Aufsichtsführung, sondern vielmehr um gezielte Hilfestellung bei Schülerinnen und Schülern. Nach Absprache mit dem Kollegium kann auf die Anfertigung von Hausaufgaben verzichtet werden, wenn grundsätzliche Probleme zu erkennen sind. Statt dessen wird dann in der Zeit der Hausaufgabenhilfe versucht diese grundsätzlichen Schwierigkeiten zu beheben. Außerdem gibt es in dieser Zeit zusätzliche Förderangebote wie beispielsweise Lesen.
Evaluation
Evaluation ist ein permanenter Prozess. Durch die stetige Diagnose werden Lernerfolge sofort sichtbar. Auch können Erfolge der Fördermaßnahmen direkt im Unterricht abgelesen werden.